Ein Chefarzt steht an der Spitze einer Klinikabteilung und trägt große Verantwortung. Entsprechend hoch fällt das Gehalt aus. Doch wie viel verdient ein Chefarzt genau?
Gehalt eines Chefarztes in Deutschland
Chefärzte zählen zu den Topverdienern im deutschen Gesundheitswesen. Anders als Assistenz-, Fach- oder Oberärzte, die nach Tarifvertrag bezahlt werden, wird das Chefarzt Gehalt individuell ausgehandelt. Es gibt also keinen festen Tariflohn; stattdessen verhandeln Sie Ihr Gehalt direkt mit dem Arbeitgeber.
Dadurch können die Einkommen stark variieren. Im Durchschnitt beträgt das Chefarzt-Einkommen in Deutschland rund 300.000 € brutto pro Jahr, laut Kienbaum-Vergütungsreport 2019 – das entspricht etwa 25.000 € brutto im Monat. Je nach Verhandlung, Erfahrung, Größe der Klinik und Fachrichtung sind typische Jahresgehälter zwischen rund 210.000 € und 280.000 € brutto realistisch (ebenfalls laut Kienbaum-Studie).
Einflussfaktoren auf das Chefarzt Gehalt: Mehrere Faktoren bestimmen die Höhe des Verdienstes:
- Fachrichtung: Ihr medizinisches Fachgebiet beeinflusst das Gehalt erheblich (siehe unten die Top-10-Facharztrichtungen).
- Klinikgröße und -art: In einem großen Akutkrankenhaus mit vielen Betten verdient ein Chefarzt meist mehr als in einer kleinen Klinik oder Reha-Klinik. Chefärzte in Rehabilitationskliniken liegen oft am unteren Ende der Gehaltsspanne (häufig eher um 150.000 – 200.000 € jährlich).
- Standort (Region): Es bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Eine Gehaltsanalyse aus 2023 zeigt z.B., dass in süddeutschen Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Bayern die Durchschnittsgehälter mit rund 270.000 € und mehr am höchsten sind, während Berlin bei ca. 243.000 € liegt und ostdeutsche Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern mit knapp 200.000 € jährlich am niedrigsten abschneiden. Auch an einer renommierten Uniklinik wie der Charité in Berlin werden Chefarztgehälter individuell verhandelt und bewegen sich in diesem Rahmen.
- Arbeitgebertyp: Ob es sich um ein öffentliches Krankenhaus (staatlich / kommunal), eine freigemeinnützige Klinik (z.B. kirchlich) oder einen privaten Klinikkonzern handelt, kann das Gehalt beeinflussen. Private Kliniken bieten mitunter höhere Vergütungen, da sie flexibler verhandeln können.
- Erfahrung und Reputation: Berufserfahrung, besondere Qualifikationen und Ihr Ruf als Spezialist spielen eine Rolle. Ein bekannter Chefarzt mit gefragter Expertise kann ein höheres Einkommen durchsetzen.
- Verhandlungsgeschick: Da das Gehalt frei verhandelbar ist, sind Ihre eigenen Gehaltsverhandlungen entscheidend. Gute Vorbereitung und Kenntnis von Vergleichswerten sind hier wichtig.
Hinzu kommt, dass viele Chefärzte neben dem Grundgehalt variable Vergütungsbestandteile erhalten. Dazu zählen Bonuszahlungen für bestimmte Ziele oder wirtschaftliche Ergebnisse und vor allem Einnahmen aus der Behandlung von Privatpatienten.
Chefärztinnen und Chefärzte haben häufig ein Privatliquidationsrecht, das heißt, sie dürfen privat versicherte Patienten selbst abrechnen und einen Anteil der Honorare behalten. Solche Zusatzvergütungen können das Gehalt deutlich steigern. Das erklärt auch, warum manche Chefarztgehälter weit über dem Durchschnitt liegen.
Einstiegsgehalt: Beim Start in der Chefarzt-Position (z.B. wenn Sie neu eine Abteilung übernehmen) liegt das Gehalt zwar unter dem langjährigen Durchschnitt, ist aber dennoch sehr hoch. Typischerweise kann das Einstiegsgehalt je nach Kliniktyp und Fachgebiet zwischen ca. 9.000 € und 15.000 € brutto pro Monat liegen.
Selbst am unteren Ende entspricht das bereits über 100.000 € brutto pro Jahr. Mit zunehmender Berufserfahrung und größeren Abteilungen steigt das Gehalt weiter an.
Top 10: In welchen Fachrichtungen verdienen Chefärzte am meisten?
Nicht jede Facharztrichtung bringt das gleiche Chefarzt Gehalt. Einige Spezialgebiete sind deutlich lukrativer. Laut einer Vergütungsstudie liegen die durchschnittlichen Jahresgehälter von Chefärzten – je nach Fachbereich – zwischen etwa 177.000 € und 372.000 € brutto. Hier ein Ranking der Fachrichtungen mit den höchsten Chefarztgehältern (Durchschnittswerte pro Jahr):
- Innere Medizin: ca. 372.000 €
- Radiologie: ca. 360.000 €
- Chirurgie: ca. 331.000 €
- Orthopädie: ca. 313.000 €
- Anästhesiologie und Intensivmedizin: ca. 296.000 €
- Gynäkologie (Frauenheilkunde): ca. 257.000 €
- Urologie: ca. 256.000 €
- Neurologie / Psychiatrie: ca. 234.000 €
- Pädiatrie (Kinderheilkunde): ca. 208.000 €
- Geriatrie (Altersmedizin): ca. 177.000 €
(Quelle der Durchschnittswerte: Kienbaum Vergütungsreport 2019)
Man erkennt, dass Innere Medizin, Radiologie und Chirurgie zu den bestbezahlten Fachgebieten für Chefärzte gehören. Am unteren Ende der Skala liegen Bereiche wie Kinderheilkunde und Altersmedizin, in denen Chefärzte im Durchschnitt deutlich weniger verdienen.
Natürlich kann es im Einzelfall Abweichungen geben. Ein Chefarzt für Pathologie oder Psychiatrie kann in einer großen Klinik trotzdem ein hohes Gehalt erzielen. Tendenziell sind die Verdienstmöglichkeiten in den oben genannten Top-Fächern jedoch am größten.
Netto-Verdienst: Wie viel bleibt vom Brutto?
Die genannten Gehälter sind Bruttoangaben vor Steuern und Abgaben. Gerade bei Spitzenverdienern in Deutschland geht ein erheblicher Anteil des Einkommens an Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Sozialabgaben.
Wie viel netto vom Chefarzt Gehalt übrig bleibt, hängt von Ihrer Steuerklasse und persönlichen Situation ab. Als grobe Faustregel kann man annehmen, dass ungefähr die Hälfte des Bruttogehalts netto ausbezahlt wird. Beispielsweise würden von 25.000 € brutto monatlich (etwa 300.000 € jährlich) je nach Steuerklasse ungefähr 13.000 – 14.000 € netto pro Monat auf Ihrem Konto ankommen.
Verheiratete Chefärzte mit Steuerklasse III könnten etwas mehr behalten, Ledige in Steuerklasse I etwas weniger. Trotz hoher Abzüge bleibt das Nettoeinkommen eines Chefarztes also immer noch sehr attraktiv.
Chefarzt-Gehälter in der Schweiz und Österreich
In Österreich wird die Position des Chefarztes als Primararzt bezeichnet. Die Gehälter für Primarärzte liegen im Schnitt etwas niedriger als in Deutschland. Das Jahresbruttogehalt bewegt sich je nach Fachrichtung und Region grob zwischen 170.000 € und 350.000 €.
Zum Beispiel verdient ein Primararzt an Wiener Krankenhäusern in der untersten Erfahrungsstufe etwa 8.200 – 9.400 € brutto pro Monat, in der höchsten Stufe rund 10.600 € monatlich. Man muss beachten, dass in Österreich oft 14 Monatsgehälter (inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld) gezahlt werden, was die Jahresbezüge entsprechend erhöht. Insgesamt können erfahrene Primarärzte in großen Kliniken ebenfalls an die 300.000 € jährlich verdienen, während in kleineren Häusern die Gehälter eher im unteren Bereich der Spannweite liegen.
In der Schweiz sind Chefarzt-Gehälter generell hoch, teils sogar höher als in Deutschland. Allerdings sind die Strukturen unterschiedlich, und ein direkter Vergleich ist schwierig. Offizielle Statistiken weisen für Chefärzte in der Schweiz durchschnittliche Grundgehälter von etwa 230.000 – 240.000 CHF pro Jahr aus.
Die tatsächlichen Gesamteinkommen liegen durch variable Anteile oft deutlich höher. Privatpatienten, Belegarzttätigkeiten und Boni spielen eine große Rolle. So ergibt sich eine breite Gehaltsspanne: Viele Chefärzte verdienen zwischen 350.000 CHF und 600.000 CHF im Jahr, in einigen Fällen sogar über 1 Million CHF jährlich.
Einzelne Schätzungen gehen davon aus, dass Spitzenverdiener unter den Chefärzten über 1,5 Mio. CHF pro Jahr erreichen können. Solche Extremwerte sind aber die Ausnahme und meist an große Privatkliniken oder äußerst umsatzstarke Fachgebiete gekoppelt.
Das Fazit
Egal ob in Deutschland, Österreich oder der Schweiz – Chefärztin / Chefarzt zu sein bringt ein sehr hohes Einkommen mit sich. Die Spannbreite ist jedoch groß. In Deutschland verdienen Chefärzte je nach Fach und Standort im Schnitt zwischen etwa 15.000 € und 25.000 € brutto pro Monat, in Österreich etwas weniger, und in der Schweiz kann es noch mehr sein.
Wichtig ist, dass das Gehalt individuell verhandelbar ist. Wenn Sie eine Chefarztposition anstreben oder über einen Wechsel nachdenken, lohnt es sich, über die genannten Faktoren informiert zu sein.