Facharzt Gehalt – Wie viel verdient ein Facharzt in Deutschland?

Ein Facharzt ist ein voll ausgebildeter Arzt, der seine mehrjährige Weiterbildung nach dem Medizinstudium abgeschlossen und die Facharztprüfung bestanden hat. Nach der Zeit als Assistenzarzt (Weiterbildungszeit) steigt man als Fachärztin oder Facharzt in eine höhere Gehaltsstufe auf. Doch wie hoch fällt das Facharzt-Gehalt aus und welche Faktoren beeinflussen es?

Grundsätzlich bestimmen Berufserfahrung, Tarifverträge, Fachrichtung und Region maßgeblich das Gehalt. Angestellte Ärzte werden meist nach Tarif bezahlt, während selbständige Fachärzte in eigener Praxis ihr Einkommen selbst erwirtschaften. Daneben spielen auch Zusatzqualifikationen und Zuschläge (z.B. für Nacht- und Wochenenddienste) eine Rolle. Im Folgenden geben wir einen umfassenden Überblick über das Gehalt von Fachärztinnen und Fachärzten in Deutschland.

Gehalt als Facharzt im Krankenhaus (Tarifverträge)

In deutschen Kliniken richtet sich das Facharzt Gehalt nach Tarifverträgen für Ärzte. Diese Tarifverträge, ausgehandelt vom Marburger Bund, legen bundeseinheitliche Gehaltstabellen fest. Für kommunale Krankenhäuser gilt z.B. der TV-Ärzte/VKA, für Universitätskliniken der TV-Ärzte/TdL, und private Klinikketten haben eigene, oft ähnliche Tarife.

Als Faustregel kann gelten: Eine angestellter Facharzt/-ärztin in Vollzeit verdient zwischen ca. 7.000 € und 9.000 € brutto pro Monat, abhängig von Berufsjahren und Arbeitgeber. Zum Einstieg (1. Jahr als Facharzt) liegt das Grundgehalt etwa bei 7.000 – 7.400 € brutto monatlich. Mit steigender Erfahrung erhöht sich das Gehalt schrittweise alle 1 – 2 Jahre. Nach rund 13–15 Berufsjahren erreicht man die Endstufe: diese liegt je nach Tarifwerk bei rund 8.800 bis 9.500 € brutto im Monat. Danach steigt das Grundgehalt nicht weiter an.

Beispiel: Laut aktuellem Tarifvertrag an Unikliniken (TV-Ärzte TdL) erhält ein Facharzt im 1. Jahr ca. 7.400 € brutto, im 6. Jahr etwa 9.300 €. In kommunalen Kliniken (TV-Ärzte VKA) sind es zum Einstieg rund 7.250 € und auf der höchsten Stufe etwa 9.320 € brutto. Kirchliche Krankenhäuser zahlen nach eigenen Richtlinien (angelehnt an TVöD/AVR) etwas abweichend.

Das Einstiegsgehalt liegt dort leicht niedriger (knapp 7.000 €), erreicht aber ebenfalls rund 9.000 € in höheren Stufen. Wichtig: Diese Beträge sind Monatsbrutto und beziehen sich auf die Grundvergütung ohne Zulagen. Sie gelten deutschlandweit, da Tarifverträge überregional vereinheitlicht sind. Dennoch kann der Arbeitsort indirekt einen Einfluss haben – dazu später mehr.

Netto vs. Brutto: Was bleibt vom Facharzt-Gehalt übrig?

Von den genannten Bruttogehältern geht noch ein erheblicher Teil für Steuern und Sozialabgaben ab. Ein verheirateter Facharzt mit Steuerklasse III hat netto mehr übrig als ein Lediger mit Steuerklasse I. Rund 40 % des Bruttoverdienstes werden im Schnitt für Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abgezogen. Somit ergeben beispielsweise 7.500 € brutto etwa 4.500 – 4.700 € netto, während 9.000 € brutto etwa 5.500 – 6.000 € netto ergeben.

Die Netto-Höhe variiert je nach Familienstand, Kirchensteuer und Krankenkasse, aber grob kann man sagen: Ein Facharzt hat monatlich um die 4.000 – 6.000 € netto zur Verfügung, je nach Gehaltsstufe. Damit gehört man als Arzt weiterhin zu den Top-Verdienern in Deutschland, bedenkt man, dass das Durchschnittsgehalt aller Berufe deutlich darunter liegt.

Zusätzliche Vergütungen: Dienste und Zulagen steigern das Gehalt

Die oben genannten Tarifgehälter beziehen sich nur auf das Grundgehalt. Tatsächlich verdienen viele Fachärzte deutlich mehr, denn Zusatzvergütungen kommen hinzu. Durch Bereitschaftsdienste, Nachtdienste und Rufbereitschaften lassen sich beachtliche Zuschläge erzielen. Nach Tarifvertrag erhalten Ärzte z.B. 20 % Zuschlag für Nachtarbeit sowie zusätzliche Pauschalen für Bereitschaftsdienst-Stunden.

Ein Facharzt, der regelmäßig an Wochenenden oder nachts im Dienst ist, kann so monatlich mehrere hundert Euro brutto extra bekommen. In der Summe sind Gesamtbruttogehälter von über 10.000 € pro Monat möglich, wenn viele Dienste geleistet werden. Insbesondere in operativen Disziplinen (z.B. Unfallchirurgie oder Anästhesie) mit häufigen Notfällen und Schichtdiensten steigt der Lohn durch Überstundenvergütungen stark an.

Auch Funktionen wie Leitender Oberarzt oder Zusatzaufgaben (z.B. Transfusionsbeauftragter, Notarzt-Tätigkeit) werden oft mit Zulagen honoriert. Diese Faktoren führen zu einer teils großen Spreizung der tatsächlichen Monatsgehälter unter Fachärzten. Während jemand ohne Dienste vielleicht „nur“ das Grundgehalt erhält, kann ein Kollege mit vielen Zusatzschichten 1.000 – 2.000 € brutto mehr im Monat verdienen.

Unterschiede nach Region und Bundesland

Obwohl die Tariftabelle bundesweit gilt, zeigen sich in der Praxis regionale Einkommensunterschiede. Großstädte und süddeutsche Bundesländer zahlen teils leicht höhere Gehälter oder Zulagen, um die höheren Lebenshaltungskosten auszugleichen. Zum Beispiel sind in München oder Hamburg für erfahrene Fachärzte Gesamtgehälter (inkl. Zuschläge) von über 120.000 € brutto jährlich möglich.

In Bayern und Baden-Württemberg liegen die tariflichen Facharzt Gehälter am oberen Ende (ca. 7.400 € bis 9.400 € brutto monatlich). In Regionen mit Ärztemangel, etwa ländliche Gebiete in Ostdeutschland wie Mecklenburg-Vorpommern, werden oft zusätzliche Anreizzahlungen oder höhere Dienstvergütungen geboten. Dort ist zwar das Grundgehalt mit ~5.500 – 7.000 € brutto/Monat etwas niedriger, doch Förderprogramme und Zuschläge können das ausgleichen.

Generell kann man sagen: In Ballungszentren sind zwar die Gehälter nominal ähnlich, aber höhere Mieten und Lebenshaltungskosten relativieren den Vorteil. Im öffentlichen Gesundheitsdienst (z.B. Gesundheitsämter in verschiedenen Bundesländern) werden Fachärzte nach TVöD bezahlt, was in etwa dem Klinik-Tarif entspricht. Spezielle Landeszuschläge gibt es z.B. in teuren Städten wie Berlin oder Frankfurt selten, aber Kliniken können bei stark nachgefragten Fachärzten individuell übertarifliche Zulagen verhandeln. Der Arbeitsmarkt spielt also ebenfalls eine Rolle: In unterversorgten Regionen oder Mangel-Fachgebieten (z.B. Psychiatrie in ländlichen Gebieten) haben Ärzte manchmal bessere Gehaltsverhandlungschancen.

Gehalt während der Facharztausbildung (Assistenzarztzeit)

Bevor man Facharzt wird, durchläuft man die Facharzt-Weiterbildung als Assistenzarzt. Auch in dieser Zeit verdient man bereits ein Arztgehalt, allerdings auf niedrigerem Niveau. Das Einstiegsgehalt eines Assistenzarztes liegt bei ca. 4.800–5.600 € brutto im Monat (je nach Tarif und Jahr) und steigert sich bis zum 5./6. Weiterbildungsjahr auf rund 6.500 – 6.800 € brutto monatlich. Sobald die Facharztprüfung bestanden ist, erfolgt der Sprung zur Facharzt-Stelle.

Interessanterweise fällt der Gehaltszuwachs durch die Beförderung relativ gering aus: Im Schnitt verdienen Fachärzte im 1. Jahr nur etwa 200–300 € brutto mehr pro Monat als Assistenzärzte im letzten Jahr. Beispiel: Ein Assistenzarzt im 6. Jahr bekommt ca. 6.800 € brutto, während ein frischgebackener Facharzt im 1. Jahr etwa 7.000 € erhält.

Die große Gehaltssteigerung ergibt sich erst über die weitere Facharzt-Berufserfahrung und ggf. mit dem Aufstieg zum Oberarzt. Nach 13 Jahren als Facharzt ist das Maximum im Tarif erreicht – an Universitätskliniken entspricht dies interessanterweise dem Einstiegsgehalt eines Oberarztes. Wer nach Erreichen der Endstufe noch deutlich mehr verdienen möchte, sollte perspektivisch eine Oberarztstelle anstreben.

Facharzt Gehalt in eigener Praxis vs. Klinik

Neben der Karriere im Krankenhaus besteht für Fachärzte die Möglichkeit, sich niederzulassen, also eine eigene Praxis zu führen oder in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) zu arbeiten. Das Gehalt eines angestellten Facharztes in Praxis oder MVZ ist nicht tariflich festgelegt, sondern wird individuell verhandelt.

Häufig orientieren sich Arbeitgeber dabei am Kliniktarif, bieten aber je nach Fachgebiet und Region Zu- oder Abschläge. Typischerweise liegen angestellte Facharzt Gehälter in MVZ im Bereich des Klinikgehalts, manchmal leicht darunter, dafür mit geregelteren Arbeitszeiten.

Spitzengehälter in Praxen sind vor allem als Praxisinhaber möglich: Selbstständige Fachärzte (z.B. Fachärzte für Augenheilkunde, Dermatologie, Allgemeinmedizin etc. mit eigener Praxis) können ein deutlich höheres Einkommen erzielen als Angestellte. Allerdings tragen sie auch unternehmerisches Risiko und Praxiskosten.

Top 10 der bestverdienenden Fachrichtungen

Welche Fachärzte verdienen am meisten? Im Klinikdienst sind die Unterschiede zwischen den Fachrichtungen relativ gering, da der Tarif für alle gleich ist. In leitenden Positionen oder der Chefarztetage können sich Fachgebiete jedoch unterscheiden. Zum Beispiel erzielen Chefärzte der Inneren Medizin etwas höhere Durchschnittseinkommen als Chefärzte der Chirurgie.

Gravierend sind die Unterschiede jedoch in der Niederlassung (eigene Praxis). Laut Statistischem Bundesamt (Kostenstrukturerhebung 2021) variieren die durchschnittlichen Jahresüberschüsse von Praxen je nach Fachgebiet zwischen rund 232.000 € und über 1 Million €. Hier die Top-10 Facharztrichtungen nach durchschnittlichem Jahresgewinn der Praxis (Brutto-Reinertrag vor Steuern und persönlichen Abgaben):

  1. Radiologe – ca. 1.103.000 € Reinertrag pro Jahr (höchster Wert im Durchschnitt)
  2. Augenarzt (Ophthalmologie) – ca. 541.000 € Reinertrag/Jahr
  3. Urologe – ca. 371.000 € Reinertrag/Jahr
  4. Orthopäde/Unfallchirurg – ca. 362.000 € Reinertrag/Jahr
  5. Internist (Innere Medizin) – ca. 351.000 € Reinertrag/Jahr
  6. Hautarzt (Dermatologie) – ca. 344.000 € Reinertrag/Jahr
  7. Chirurg – ca. 317.000 € Reinertrag/Jahr
  8. Allgemeinmediziner (Hausarzt) – ca. 292.000 € Reinertrag/Jahr
  9. HNO-Arzt (Hals-Nasen-Ohren) – ca. 288.000 € Reinertrag/Jahr
  10. Kinderarzt (Pädiatrie) – ca. 271.000 € Reinertrag/Jahr

Quelle: Statistisches Bundesamt, Kostenstruktur Ärztepraxen. – Zur Einordnung: Diese Zahlen sind Durchschnittswerte pro Praxis und zeigen den Jahresüberschuss vor Steuer. Sie geben einen Eindruck, welche Fachrichtungen im ambulanten Bereich besonders umsatzstark sind. Radiologische Praxen erzielen bspw. sehr hohe Einnahmen (durch teure Untersuchungen wie MRT/CT), haben aber auch hohe Kosten. Zum Vergleich: Psychotherapeuten liegen mit ~232.000 € Reinertrag am unteren Ende. Für niedergelassene Fachärzte gilt generell, dass das Einkommen stark von Patientenzahl, Privatpatienten-Anteil und Leistungsumfang abhängt.

Auffällig ist, dass technisch-apparative Fächer (Radiologie, Augenheilkunde) und operativ tätige Fachärzte tendenziell die höchsten Gewinne verzeichnen. Niedriger vergütete Fachgebiete wie Psychosomatik oder Öffentliches Gesundheitswesen liegen im Vergleich deutlich darunter, bieten dafür aber oft eine bessere Work-Life-Balance im Angestelltenverhältnis. Fachärzte für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie, Pathologie oder Transfusionsmedizin arbeiten häufig im Klinik- oder Institutssetting mit festen Gehältern, die näher am Durchschnitt liegen. Diese eher diagnostischen Bereiche erreichen in eigener Praxis meist nicht die Spitzenwerte, sind aber unabdingbar für die Gesundheitsversorgung. Letztlich sollte die Wahl der Fachrichtung nicht allein vom Gehalt abhängig gemacht werden – die höchsten Einkommen gehen oft mit längeren Arbeitszeiten, hoher Verantwortungslast und teuren Investitionen einher, während weniger lukrative Fächer unter Umständen mehr Zeit für Familie und Freizeit lassen.

Gehalt als Facharzt in der Schweiz – ein kurzer Vergleich

Viele deutsche Ärztinnen und Ärzte liebäugeln mit einer Tätigkeit in der Schweiz, da dort die Löhne erheblich höher sind. Tatsächlich können Fachärzte in der Schweiz rund das Doppelte verdienen. Ein angestellter Facharzt im Schweizer Spital erhält je nach Kanton und Erfahrung etwa 150.000 bis 230.000 CHF Jahresgehalt, umgerechnet ~140.000–220.000 €. Assistenzärzte starten dort bereits mit ca. 100.000–125.000 CHF pro Jahr. Hinzu kommen 13. Monatsgehälter und Zulagen ähnlich wie in Deutschland. Spitzenverdiener unter den angestellten Fachärzten (z.B. in leitenden Positionen oder sehr gefragten Spezialgebieten) können in der Schweiz über 500.000 CHF jährlich erreichen. Selbständig niedergelassene Fachärzte erwirtschaften dort im Durchschnitt ~320.000 CHF und in Top-Fällen bis ~640.000 CHF pro Jahr. Diese Zahlen relativieren sich allerdings durch höhere Lebenshaltungskosten, obligatorische Krankenkasse und Steuern in der Schweiz. Nichtsdestotrotz bleibt die Alpenrepublik attraktiv: Einstiegsgehälter liegen deutlich über deutschen Niveaus – ein Facharzt direkt nach der Ausbildung bekommt im Schweizer Krankenhaus etwa 8.000 CHF (ca. 7.500 €) pro Monat, was wesentlich mehr ist als ein Kollege in Deutschland. Die Schweiz ist daher eines der beliebtesten Auswanderungsziele für deutsche Ärzte.

Fazit: Wie hoch ist nun das Facharzt-Gehalt?

Zusammengefasst lässt sich sagen: Das Gehalt eines Facharztes in Deutschland liegt im Durchschnitt bei rund 90.000–110.000 € brutto jährlich (je nach Statistik und Region) und damit deutlich über dem gesamtdeutschen Durchschnittseinkommen. In tarifgebundenen Kliniken verdienen Fachärzte je nach Erfahrung etwa 7.000 bis 9.000 € brutto pro Monat, plus Zuschläge für Dienste. Nach Abzug von Steuern und Abgaben bleibt hiervon ein Nettogehalt von grob 4.500–6.000 € pro Monat übrig. Bestimmte Bundesländer und Städte bieten teils etwas höhere Löhne oder Zulagen, aber die Unterschiede sind moderat. Wer eine Karriere im Krankenhaus anstrebt, sollte wissen, dass nach Erreichen der obersten Facharzt-Stufe ohne Beförderung kein weiterer Anstieg kommt – der Schritt zum Oberarzt ist dann der nächste Weg zu einem höheren Gehalt. In der eigenen Praxis hingegen sind die Einkommensspanne und Chancen nach oben erheblich größer, variieren jedoch stark mit der Fachrichtung und dem persönlichen Einsatz als Unternehmer. Einige Fachärzte (Radiologen, Augenärzte etc.) können in der Niederlassung Spitzenverdienste jenseits der Millionengrenze erzielen, während andere sich mit deutlich weniger zufriedengeben müssen. Unabhängig von der Fachrichtung gilt: Als Fachärztin oder Facharzt profitieren Sie von einem angesehenen Beruf mit sehr gutem Verdienst – der allerdings auch durch lange Ausbildungszeiten, hohe Verantwortung und oft fordernde Arbeitsbedingungen hart erarbeitet ist.