Oberarzt Gehalt – Wie viel verdienen Oberärzte in Deutschland?

Die Position des Oberarztes gehört zu den attraktivsten Karrierestufen für Klinikärzte. Nicht zuletzt wegen des deutlich höheren Gehalts im Vergleich zu Assistenz- und Fachärzten. Doch wie hoch ist das Oberarzt Gehalt genau?

In diesem Artikel erfahren Sie, wie viel Oberärzte in Deutschland verdienen, wovon die Vergütung abhängt und welche Fachrichtungen am besten bezahlt sind. Zudem werfen wir einen kurzen Blick auf die Gehälter in der Schweiz und Österreich.

Oberarzt Gehalt in Deutschland: Tarifverträge und Grundvergütung

In deutschen Kliniken wird das Gehalt von Oberärztinnen und Oberärzten meist durch Tarifverträge festgelegt. Öffentliche Krankenhäuser (kommunale Kliniken und Universitätskliniken) bezahlen nach vereinbarten Ärztetarifverträgen, die der Marburger Bund als Ärztegewerkschaft aushandelt. Das bedeutet: Das Grundgehalt eines Oberarztes ist je nach Erfahrungsstufe klar definiert und steigt mit den Berufsjahren automatisch an.

Zum Beispiel liegt das monatliche Brutto-Einstiegsgehalt als Oberarzt (1. Jahr in dieser Position) je nach Träger bei rund 8.700 bis 9.300 €. Nach einigen Jahren Berufserfahrung (7. Jahr Oberarzt) steigt das Grundgehalt auf etwa 10.500 bis 10.600 € brutto im Monat.

Diese Spanne gilt für tarifgebundene Häuser. Also beispielsweise kommunale Krankenhäuser und Unikliniken. Ein Oberarzt kommt damit auf ein jährliches Grundgehalt von ungefähr 100.000 bis 125.000 € brutto, allein nach Tarifvertrag.

Wichtig zu beachten: Die genannten Beträge beziehen sich auf das Bruttogehalt (vor Steuern und Abzügen). Das tatsächliche Nettoeinkommen eines Oberarztes hängt von individuellen Faktoren wie Steuerklasse, Familienstand und Versicherungen ab.

Grob kann man sagen, dass netto etwa 50–60 % des Bruttogehalts verbleiben. Bei einem Spitzenverdienst von z.B. 120.000 € brutto jährlich sind das im Schnitt etwa 60.000 – 70.000 € netto pro Jahr (ca. 5.000 € im Monat). Ihr persönlicher Nettowert kann mittels Gehaltsrechner ermittelt werden. Die Spanne ist groß, denn Oberärzte können je nach Situation zwischen rund 48 % und 65 % ihres Brutto als Netto mit nach Hause nehmen.

Unterschiedliche Träger und Tarifverträge

Je nachdem, bei welchem Arbeitgeber Sie tätig sind, können die tariflichen Gehälter leicht variieren. An Universitätskliniken gilt der Tarifvertrag der Länder (TV-Ärzte TdL), an kommunalen Krankenhäusern der Tarifvertrag der Vereinigung kommunaler Arbeitgeber (TV-Ärzte VKA). Die Einstiegsgehälter für Oberärzte bewegen sich in beiden Fällen um die 9.200 – 9.300 € und unterscheiden sich nur minimal.

Kirchliche Kliniken (z.B. Caritas, Diakonie) orientieren sich an diesen Tarifen und zahlen ähnlich hohe Gehälter von etwa 9.400 € bis 10.400 € je nach Berufserfahrung. Private Klinikträger wie Helios, Sana oder Asklepios haben eigene Tarifverträge. Dort liegen die Grundgehälter oft im gleichen Rahmen; teils beginnen sie etwas höher, steigen aber etwas flacher an.

Zum Beispiel startet ein Oberarzt im Helios-Konzern bei ca. 9.240 € monatlich und erreicht nach 7 Jahren rund 10.250 €. In den Rhön-Kliniken liegt das Gehalt hingegen etwas niedriger (Einstieg ca. 8.920 €, nach 7 Jahren ~9.890 €). Trotz dieser Unterschiede garantiert der Tarifvertrag grundsätzlich ein sehr hohes Grundgehalt für Oberärzte in jedem öffentlichen oder großen privaten Krankenhaus.

Zusatzzahlungen: Dienste und variable Anteile

Neben dem Grundgehalt nach Tarif erhalten Oberärzte oft Zusatzvergütungen für Bereitschaftsdienste, Rufbereitschaft und ggf. Erfolgsbeteiligungen. Nachtdienste und Wochenenddienste werden in den Tarifverträgen separat vergütet. Häufig leisten Oberärzte mehrere Bereitschaftsdienste pro Monat, was spürbar zusätzlich entlohnt wird.

Im Durchschnitt kann die Vergütung für Ruf- und Bereitschaftsdienste bei rund 15.000 – 20.000 € pro Jahr liegen. Dieser Betrag kommt zum Grundgehalt on top. Viele Oberärzte erzielen dadurch ein tatsächliches Jahresgehalt, das über dem reinen Tarifgrundgehalt liegt.

Zudem besteht ab der Position Oberarzt oft die Möglichkeit zu außertariflichen Zulagen: In Bereichen mit Ärztemangel oder hoher Verantwortung vereinbaren Kliniken mit Oberärzten individuelle Gehälter oberhalb des Tarifrahmens. Spitzenverdienste jenseits der 10.600 € sind somit möglich. In Einzelfällen (etwa bei gefragten Spezialisten oder leitenden Funktionen) können Monatsgehälter von 12.000 – 14.000 € und mehr erzielt werden.

Schließlich können Oberärzte ihr Einkommen auch durch Nebentätigkeiten erhöhen. Etwa ein Viertel aller Oberärzte in Deutschland übt neben dem Klinikjob noch eine Nebentätigkeit aus (sofern vom Arbeitgeber genehmigt), wie zum Beispiel Gutachtertätigkeiten, Lehre, Notarztdienste oder als Honorararzt. Solche Nebenjobs können zusätzliche Honorare einbringen, sind aber natürlich zeitlich und kräftemäßig eine Herausforderung.

Gehalt als leitender Oberarzt – mehr Verantwortung, mehr Verdienst

Ein leitender Oberarzt (LOA) ist ein Oberarzt mit erweiterter Führungsaufgabe. Quasi der ständige Stellvertreter des Chefarztes in der Abteilung. Diese Position wird meist formal in eine eigene Entgeltgruppe eingeordnet und daher höher vergütet als der „normale“ Oberarzt.

Leitende Oberärzte übernehmen neben der Patientenversorgung umfangreiche organisatorische Aufgaben, koordinieren Assistenzärzte und tragen Personalverantwortung. Entsprechend liegt ihr Gehalt noch einmal über dem regulären Oberarztgehalt, jedoch unterhalb dem eines Chefarztes.

Nach Tarifvertrag verdienen leitende Oberärzte je nach Erfahrung zwischen ca. 10.300 € und 11.600 € brutto monatlich. Zum Einstieg (1. Jahr als LOA) sind ungefähr 10.5 Tsd. € üblich, nach einigen Jahren sind es um die 11 – 12 Tsd. € pro Monat. Diese Werte können je nach Träger leicht variieren; manche Unikliniken zahlen z.B. bis ~12.300 € in der höchsten Stufe. In kommunalen Häusern liegt die Spitze für leitende Oberärzte laut Tarif etwas niedriger (knapp 11.700 €).

Häufig wird aber ab einer bestimmten Stufe ein Teil des Gehalts frei verhandelt, da die Position sehr individuell zugeschnitten sein kann. Insgesamt kann man sagen: Als leitender Oberarzt bewegt man sich in einer Gehaltsklasse von etwa 125.000 – 140.000 € brutto im Jahr. Damit honoriert der Arbeitgeber die zusätzliche Führungsverantwortung, die mit dieser Rolle einhergeht. Zum Vergleich: Chefärzte verdienen oft das Doppelte oder mehr, während Fachärzte und Assistenzärzte deutlich darunter liegen.

Top-Verdiener: Gehaltsunterschiede nach Fachrichtung (Top 10 Ranking)

Formal macht der Tarifvertrag keinen Unterschied zwischen den medizinischen Fachrichtungen. Ein Oberarzt in der Radiologie erhält tariflich das gleiche Grundgehalt wie ein Oberarzt in der Geriatrie. Dennoch zeigen Studien, dass in der Praxis teils erhebliche Gehaltsunterschiede zwischen den Fachbereichen bestehen.

Diese kommen durch außertarifliche Zulagen, unterschiedliche Dienstbelastungen und Privatpatienten-Einnahmen zustande. Eine Erhebung des Kienbaum-Vergütungsreports (2019) ergab folgendes Ranking der durchschnittlichen Jahresgesamteinkommen von Oberärzten in deutschen Krankenhäusern:

  1. Chirurgie – ca. 148.000 € brutto/Jahr (Spitzenreiter: Operateure sind die Top-Verdiener)
  2. Innere Medizin – ca. 142.000 € brutto/Jahr (inkl. z.B. Kardiologie, Gastroenterologie)
  3. Gynäkologie – ca. 135.000 € brutto/Jahr
  4. Orthopädie/Unfallchirurgie – ca. 135.000 € brutto/Jahr
  5. Radiologie – ca. 134.000 € brutto/Jahr
  6. Anästhesiologie / Intensivmedizin – ca. 133.000 € brutto/Jahr
  7. Urologie – ca. 132.000 € brutto/Jahr
  8. Pädiatrie (Kinderheilkunde) – ca. 131.000 € brutto/Jahr
  9. Neurologie/Psychiatrie – ca. 127.000 € brutto/Jahr
  10. Geriatrie (Altersmedizin) – ca. 111.000 € brutto/Jahr

Quelle: Kienbaum Vergütungsreport „Ärzte, Führungskräfte und Spezialisten 2019“ (Daten aus deutschen Krankenhäusern).

Diese Top-10-Rangliste zeigt, dass chirurgische Fächer an der Spitze stehen. Ein Oberarzt in der Chirurgie verdient im Schnitt fast 40.000 € mehr im Jahr als ein Oberarzt in der Geriatrie am unteren Ende der Liste.

Auch innerhalb der einzelnen Fachgebiete gibt es Spannbreiten: So verdienen 25% der Oberärzte in der Chirurgie über 175.000 € (oberes Quartil), insbesondere hochspezialisierte Bereiche wie z.B. Herzchirurgie oder Gefäßchirurgie können durch zahlreiche Eingriffe und Zuschläge sehr hohe Einkommen erzielen.

In der Inneren Medizin liegen etwa Kardiologie und Gastroenterologie am oberen Ende der Skala, während etwa ein Oberarzt in der Geriatrie erwartungsgemäß weniger Spielraum für Zusatzeinnahmen hat. Wichtig zu betonen ist jedoch: Nach Tarifvertrag wäre das Grundgehalt in allen Fachrichtungen gleich.

Die genannten Unterschiede resultieren vor allem aus individuell ausgehandelten Zusatzvergütungen und unterschiedlichen Einnahmemöglichkeiten (z.B. Beteiligung an Privatpatientenhonoraren bei operativen Fächern).

Für angehende Ärztinnen und Ärzte bedeutet das, dass die Fachwahl langfristig einen Einfluss auf das Einkommen haben kann. Am deutlichsten dann, wenn man als Oberarzt oder Chefarzt in den jeweiligen Bereichen tätig ist.

Regionale Gehaltsunterschiede: Bundesländer-Vergleich

Nicht nur die Fachrichtung, auch die Region hat einen Einfluss darauf, wie viel Oberärzte tatsächlich verdienen. Zwar geben die Tarifverträge bundesweit einheitliche Gehaltstabellen vor, doch in der Realität zeigen sich Unterschiede zwischen den Bundesländern. Diese entstehen, weil in einigen Regionen vermehrt außertarifliche Zulagen gezahlt werden (z.B. um Ärzte zu gewinnen oder zu halten), während in anderen Regionen hauptsächlich strikt nach Tarif vergütet wird.

Laut Auswertungen von Gehalt.de liegt das durchschnittliche Oberarzt Gehalt in Westdeutschland tendenziell höher als in Ostdeutschland. Baden-Württemberg führt die Liste der Länder an. Hier verdienen Oberärzte im Schnitt ca. 12.000 € brutto pro Monat, dicht gefolgt von Bayern, Hessen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen, die alle über dem Bundesdurchschnitt liegen.

Konkret liegt der Durchschnitt in Baden-Württemberg bei rund 12.700 € monatlich, in Bayern etwa 12.450 €. Ebenfalls über 12.000 € im Schnitt liegen z.B. Hamburg (~12.550 €) und Hessen (~12.670 €).

Deutlich geringer fällt das Oberarzt-Einkommen durchschnittlich in einigen ostdeutschen Bundesländern aus. In Mecklenburg-Vorpommern liegt es bei rund 10.500 € brutto im Monat . Das ist das Schlusslicht im Ländervergleich. Auch Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen weisen Durchschnittswerte um 10.6 – 10.8 Tsd. € auf.

Die Differenz zwischen Top und Bottom ist beträchtlich: Ein Oberarzt in Baden-Württemberg verdient im Schnitt etwa 1.500 – 2.000 € mehr pro Monat als ein Kollege in Mecklenburg-Vorpommern. Die meisten anderen Bundesländer liegen dazwischen, z.B. NRW ungefähr bei 11.5 Tsd. €, Niedersachsen etwa 11.6 Tsd. €.

Diese Unterschiede ergeben sich vor allem dort, wo nicht strikt nach Tarif bezahlt wird. In wirtschaftsstarken oder städtischen Regionen (Süddeutschland, Ballungsräume) gibt es eher Kliniken, die individuelle Gehaltsbestandteile drauflegen können. Während strukturschwächere Regionen oft nur die Tarifbasis zahlen.

Für Oberärzte bedeutet das: Der Standort Ihrer Arbeitsstelle kann Einfluss auf Ihr Gehalt haben. Ein Wechsel von einer Region in eine andere kann mit Gehaltsveränderungen einhergehen, selbst wenn die Stelle und Verantwortung ähnlich sind. Dennoch bleibt festzuhalten, dass Oberärztinnen und Oberärzte in allen Bundesländern sehr gut verdienen – die Spannbreite bewegt sich auf hohem Niveau.

Gehälter in der Schweiz und Österreich (zum Vergleich)

Viele deutsche Ärzte zieht es der hohen Bezahlung wegen ins Ausland, allen voran in die Schweiz. Tatsächlich sind die Oberarzt-Gehälter in der Schweiz nochmals deutlich höher als in Deutschland. Je nach Kanton und Klinik sind Jahresgehälter von 150.000 bis 200.000 CHF für Oberärzte üblich. Das entspricht etwa 140.000–190.000 € brutto (je nach Wechselkurs).

Inklusive aller Zulagen und Dienste kann ein erfahrener Oberarzt in der Schweiz durchaus über 200.000 CHF im Jahr verdienen. Als monatliches Grundgehalt sind z.B. im Kanton Zürich rund 9.300 CHF (ca. 8.700 €) x 13 Monate angegeben. Hinzu kommen dort allerdings meist noch Zuschläge für Nacht- und Wochenenddienste, Bonuszahlungen etc., sodass das tatsächliche Durchschnittseinkommen höher liegt.

Der Netto-Verdienst ist in der Schweiz aufgrund niedrigerer Steuern in vielen Kantonen oft vorteilhaft. Trotz hoher Lebenshaltungskosten bleibt vielen Ärzten netto mehr übrig als in Deutschland. Wer also als Oberarzt in die Schweiz wechselt, kann mit einer spürbaren Gehaltssteigerung rechnen. Allerdings sind die Kosten (Wohnen, Versicherungen) höher, und Abschläge bei der Rente (anderes System) müssen bedacht werden.

In Österreich sind die Einkommen von Oberärzten in etwa vergleichbar mit Deutschland oder teils etwas niedriger, je nach Bundesland und Spitalträger. Öffentliche Spitäler haben dort ebenfalls Gehaltsschemata, oft mit 14 Monatsgehältern. Beispielsweise kann ein Oberarzt an einer großen Klinik in Österreich rund 90.000 – 110.000 € brutto jährlich verdienen (inklusive Zulagen und Sonderzahlungen). Konkrete Zahlen variieren aber stark nach Region (Wien, Niederösterreich etc. zahlen tendenziell mehr als periphere Regionen).

Durch Reformen und Zusatzhonorare (etwa für 48-Stunden-Wochen mit Nachtdiensten) wurden die Gehälter in Österreich zuletzt angehoben. Insgesamt liegt das österreichische Oberarztgehalt im Durchschnitt etwas unter dem deutschen Niveau, ist aber immer noch sehr attraktiv.

Für Ärzte, die in der DACH-Region vergleichen, bleibt Deutschland vor allem dank der tariflich gesicherten regelmäßigen Steigerungen interessant. Die Schweiz führt in Sachen Gehalt deutlich, zieht dafür aber auch höhere Lebenshaltungskosten nach sich.

Ein Fazit

Das Gehalt eines Oberarztes ist eindrucksvoll hoch und spiegelt die verantwortungsvolle Position wider. In Deutschland verdienen Oberärzte nach Tarifvertrag bereits rund 8.800 – 10.600 € brutto monatlich, mit leitender Funktion oder individuellen Vereinbarungen oft noch mehr. Faktoren wie Berufserfahrung, Fachrichtung, Zusatzdienste und Arbeitsort beeinflussen die tatsächliche Vergütung erheblich.

Ein Oberarzt in einer gefragten Fachdisziplin (z.B. Chirurgie oder Kardiologie) an einem großen städtischen Klinikum kann deutlich über dem Tarif liegen, während in kleineren Häusern häufig strikt nach Tabelle gezahlt wird. Bundesweit bewegen sich Oberarzt-Gehälter jedoch auf einem sehr hohen Niveau, das jungen Medizinern attraktive Karriereperspektiven bietet.

Wer über einen Wechsel ins Ausland nachdenkt, findet insbesondere in der Schweiz noch höhere Löhne vor, sollte aber das Gesamtpaket (Kosten und Lebensumstände) berücksichtigen. Letztlich bleibt festzuhalten: Oberärztin / Oberarzt zu sein bedeutet fachliche Spitzenposition und diese spiegelt sich auch finanziell wider.