Hämatologie und Onkologie sind Teil der Inneren Medizin. Fachärztinnen und Fachärzte in diesem Bereich behandeln Krankheiten des Blutes (Hämatologie) und Krebserkrankungen (Onkologie). Sie arbeiten meist in Krankenhäusern, spezialisierten Tumorzentren oder in Facharztpraxen. Im Alltag erstellen sie Diagnose- und Therapiepläne für Patientinnen und Patienten mit Anämien, Leukämien, Lymphomen oder soliden Tumoren (z.B. Brust-, Darm- oder Lungenkrebs). Dazu gehören Blutuntersuchungen, Knochenmarkbiopsien und die Durchführung von Chemotherapien oder Immuntherapien. Onkologen betreuen oft auch Patienten in der Palliativmedizin und arbeiten eng mit Strahlentherapeuten, Chirurgen und Pathologen zusammen. In der Klinik besprechen sie Fälle im interdisziplinären Tumorboard und koordinieren Therapien mit dem Pflege- und Laborteam.
Ausbildung und Facharztausbildung
Der Weg zum Facharzt für Hämatologie und Onkologie beginnt mit einem Medizinstudium und der Approbation. Danach folgt die mehrjährige Facharztausbildung Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie. In Deutschland dauert diese Weiterbildung insgesamt 72 Monate (6 Jahre). Innerhalb dieser Zeit erwerben Ärzte umfassende Kenntnisse und Fähigkeiten in beiden Fachbereichen. Typischerweise umfasst die Ausbildung:
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36 Monate Basisweiterbildung Innere Medizin (stationär, z.B. auf internistischen Normalstationen)
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36 Monate spezielle Hämatologie/Onkologie, darunter 6 Monate intensivmedizinische Ausbildung und 6 Monate Labordiagnostik.
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(Optional können bis zu 18 Monate im ambulanten Bereich (Praxis, MVZ) absolviert werden.)
Nach Bestehen der Facharztprüfung darf die Bezeichnung Facharzt/-ärztin für Innere Medizin und Hämatologie/Onkologie geführt werden. In Österreich und der Schweiz sind die Ausbildungszeiten ähnlich lang (ebenfalls meist 6 Jahre).
Aufgaben und Arbeitsalltag
Hämatologen und Onkologen arbeiten vor allem mit schwerkranken Patientinnen und Patienten. In Kliniken sind etwa zwei Drittel aller Fachärzte für Hämatologie/Onkologie tätig. Dort behandeln sie Patienten stationär auf onkologischen Stationen großer Krankenhäuser oder Universitätskliniken. In Facharztpraxen oder ambulanten Zentren liegt der Schwerpunkt dagegen auf Nachsorge und Prävention nach operativen Eingriffen oder abgeschlossenen Therapien.
Zu den typischen Aufgaben im Arbeitsalltag gehören:
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Diagnostik: Anamnese, körperliche Untersuchung und Bilder der Blutparameter (Blutbild, Gerinnungswerte, Tumormarker).
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Biopsien und Labor: Entnahme von Knochenmark oder Lymphknoten zur feingeweblichen Untersuchung. Spezielle hämatologisch-onkologische Labortests werden ausgewertet.
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Therapie: Planung und Durchführung von Chemotherapie, Immun- und zielgerichteter Therapie bei Blutkrebs und soliden Tumoren. Transfusionen und Stammzelltransplantationen organisieren.
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Behandlung von Blutkrankheiten: Therapie von Anämien, Gerinnungsstörungen (z.B. Hämophilie) und anderen hämatologischen Erkrankungen.
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Palliativversorgung: Begleitung von unheilbar erkrankten Patienten und Symptommanagement in enger Abstimmung mit dem Palliativteam.
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Teamarbeit: Teilnahme an Tumorboards, enge Zusammenarbeit mit Chirurgen, Radiologen, Pflege und Psychoonkologen.
Der Tagesablauf beinhaltet Visiten mit Ärzteteam, Besprechungen von Befunden, das Schreiben von Arztbriefen sowie die Planung und Überwachung von Therapien. Viele Fälle werden interdisziplinär besprochen. Da Krebserkrankungen komplex sind, ist viel Teamarbeit nötig. Etwa 64 % der Hämatologen und Onkologen arbeiten in der stationären Versorgung, 36 % ambulant.
Spezialisierung und Weiterbildung
Innerhalb der Facharztausbildung kann man sich in bestimmten Bereichen vertiefen. Möglich sind zum Beispiel:
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Kinder-Hämatologie/Onkologie: Dies ist in Österreich, Deutschland und der Schweiz ein eigener Schwerpunkt für Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin. Kinderonkologen behandeln kindliche Leukämien, Lymphome und Tumore.
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Palliativmedizin (Zusatzweiterbildung): Viele Hämatologen/Onkologen machen eine Zusatzqualifikation in Palliativmedizin (ca. 2 Jahre), um sterbende Krebspatienten besser betreuen zu können.
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Medizinische Onkologie: Obwohl Onkologie bereits Teil der Weiterbildung ist, gibt es Facharzttitel wie “Internistische Onkologie” im Sinne eines Schwerpunktes.
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Forschung und Klinische Studien: Spezialisierung auf klinische Forschung, Leitung von Studienzentren oder Ausbildung zum klinischen Wissenschaftler (z.B. MD-PhD).
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Tumorzentren und Organkrebsprogramme: Manche Ärzte konzentrieren sich auf bestimmte Tumorarten (z.B. gynäkologischer Krebs, Gastro-Onkologie).
Zusätzliche Qualifikationen wie Psychoonkologie, Arbeitsmedizin oder Infektiologie können ebenfalls nützlich sein. Grundsätzlich ist lebenslanges Lernen wichtig, da sich Therapieverfahren ständig ändern.
Verdienst und Gehalt
Die Bezahlung von Hämatologen und Onkologen hängt vom Arbeitsplatz, der Berufserfahrung und dem Land ab. In Kliniken gilt in Deutschland in der Regel ein Tarifvertrag (TV-Ärzte). Assistenzärzte in Weiterbildung verdienen etwa 5.000 – 6.500 € brutto pro Monat (je nach Jahr im PJ und Tarif). Fachärzte für Hämatologie/Onkologie starten oft bei rund 6.100 € brutto monatlich und steigern sich mit Berufsjahren auf etwa 7.650 € nach sechs Jahren. Oberärzte und Chefarztpositionen liegen deutlich darüber und werden meist frei verhandelt.
In einer eigenen Praxis oder Gemeinschaftspraxis können Internisten mit Schwerpunkt Onkologie insgesamt deutlich höhere Einnahmen erzielen. Das durchschnittliche monatliche Praxiseinkommen liegt beispielsweise bei etwa 17.400 € brutto (allgemeine Innere Medizin). Die tatsächlichen Einnahmen hängen aber stark von Fallzahl, Region und Investitionen ab.
In Österreich verdienen Fachärzte für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie in leitender Position (Oberarzt) derzeit etwa 10.400 € brutto monatlich. Assistenzärzte im Turnus erhalten meist zwischen 3.000 € und 4.500 €. In der Schweiz sind die Gehälter generell höher. Dort liegt das Jahresbruttogehalt für Onkologen im Schnitt bei etwa 177.000 CHF (ca. 15.000 CHF/Monat). Insgesamt verdienen Ärzte in der Schweiz deutlich mehr als in Deutschland oder Österreich (vergleichende Zahlen: Fachärzte D ~100.000–200.000 € pro Jahr, CH ~250.000–300.000 CHF).
Work-Life-Balance
Hämatologie und Onkologie können ein belastender Beruf sein, da oft schwerkranke Menschen betreut werden. In Kliniken gehören Schichtdienst und Rufbereitschaft zum Alltag: Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste sind üblich. Dadurch kann die Work-Life-Balance beeinträchtigt sein. Viele Klinikabteilungen bieten aber flexible Dienstpläne oder Teilzeitstellen an, um Familie und Beruf zu vereinbaren.
Arztpraxen und MVZ (medizinische Versorgungszentren) bieten meist planbarere Arbeitszeiten, da dort keine ständige Bereitschaftspflicht besteht. Dafür tragen niedergelassene Ärzte die Verantwortung für ihre Organisation und sind oft mehrerer Standorte und Termine parallel ausgesetzt.
Psychische Belastbarkeit und Stressresistenz sind in der Onkologie wichtig. Dennoch berichten viele Onkologen, dass die Teamarbeit und die Möglichkeit, Patienten langfristig zu begleiten, den Beruf erfüllend machen. Moderne Hilfsmittel (z.B. Spezialsysteme für Chemotherapie, digitale Patientenakten) können den Arbeitsalltag heute unterstützen und etwas Zeit sparen.
Voraussetzungen und persönliche Fähigkeiten
Wer Hämatologe oder Onkologe werden möchte, sollte folgende Voraussetzungen mitbringen:
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Medizinisches Studium: Abgeschlossenes Humanmedizinstudium und Approbation sind Pflicht.
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Interesse an Innerer Medizin und Forschung: Hämatologie/Onkologie erfordert ein solides Grundwissen in Innerer Medizin und Interesse an neuen Therapien.
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Einfühlungsvermögen und Kommunikationsstärke: Der Umgang mit Krebspatienten und deren Angehörigen erfordert Mitgefühl und klare Kommunikation.
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Teamfähigkeit: Hämatologen/Onkologen arbeiten eng mit Kollegen aus anderen Disziplinen (z.B. Chirurgie, Radiologie, Pflege) zusammen.
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Belastbarkeit und Organisationstalent: Der Umgang mit schwerkranken Menschen und der Schichtdienst verlangen Durchhaltevermögen. Gleichzeitig muss man komplexe Therapiepläne gut organisieren können.
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Lernbereitschaft: Onkologie ist ein dynamisches Feld. Wer sich auf Krebsmedizin spezialisiert, sollte bereit sein, sich ständig über neue Forschungsergebnisse (z.B. Immun- oder Gentherapie) zu informieren.
Generell spricht die Onkologie Personen an, die trotz hoher Verantwortung belastbar bleiben und Freude am intellektuellen Arbeiten haben. Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen (Biologie, Chemie) ist ebenso nützlich wie Freude an kontinuierlicher Weiterbildung.
Entwicklung und Karriereperspektiven
Die Facharztrichtung Hämatologie/Onkologie wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch in Zukunft gefragt sein. Die Zahl der Fachärzte wächst – in Deutschland gab es 2022 etwa 3.100 Fachärzte für Innere Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie. Auffällig ist ein steigender Frauenanteil in diesem Fachgebiet (2022 waren bereits 43 % der Fachärzte Frauen).
Karrierechancen ergeben sich zum einen durch Facharztpositionen in immer neuen onkologischen Zentren. Mit Berufserfahrung können Ärzte Leitungsfunktionen übernehmen (Oberarzt, Chefarzt). Auch eine Weiterbildung zum Palliativmediziner oder in fachübergreifenden Bereichen (z.B. Innere Medizin) kann Türen öffnen. Forschungskarrieren an Universitäten oder in der Pharmaindustrie sind eine weitere Option.
Die Nachfrage nach Onkologen bleibt hoch, weil die Zahl der Krebserkrankungen in der alternden Bevölkerung zunimmt. Gleichzeitig erlauben neue Therapieverfahren (wie Immuntherapien) zunehmend gezielte Behandlungen, so dass Spezialisten für moderne Krebstherapie gebraucht werden.
Hämatologie & Onkologie Jobs
Als Facharzt für Hämatologie und Onkologie findet man viele Stellenangebote in unterschiedlichen Einrichtungen. Kliniken, Universitätszentren, onkologische Fachpraxen, Rehabilitationszentren und sogar Pharmaunternehmen suchen regelmäßig Fachkräfte. Auf dem Stellenmarkt werden sowohl Assistenzarzt- als auch Facharztpositionen ausgeschrieben.
Hier ein kleiner Auszug aus unserem Stellenportal:
- Chefarzt Onkologie (m/w/d)
- Leitender Oberarzt Palliativmedizin (m/w/d)
- Leitender Oberarzt Onkologie (m/w/d)
- Chefarzt Hämatologie und Onkologie (m/w/d)
- Facharzt für Onkologie/Hämatologie | Reha (m/w/d)